“Es ist vollbracht”

Nach dem wir uns fast ein halbes Jahr lang auf den, wie im Planfeststellungsbeschluss(2012) festgelegten, Brückenabriss voll konzentriert und viel Freizeit dafür geopfert haben, ist das Thema Brückenbebauung oder Zukunft der Brücke endlich beendet.

Die Mehrheit der Stadtverordneten, und dafür DANKEN wir Ihnen sehr, hat mit viel Besonnenheit und Bedacht in ihrem Beschluss die Bebauung der alten Autobahnbrücke
A 3 abgelehnt und somit wird diese, wie vorhergesehen, nach Fertigstellung der neuen Brücke sofort abgerissen.

Es gab immer ein dafür und immer ein dagegen. Zukunft, Arbeitsplätze, Limburg sollte dadurch weltberühmt werden. Jetzt können wir, die “Gegner” der Brückenbebauung, sagen, Limburg erhält auch ohne die Brückenvision weiterhin eine Weltberühmtheit.

Die Menschen werden weiter hin diese tolle mittelalterliche Altstadt und den fast 800 Jahre alten historischen Limburger Dom besuchen, bestaunen und sich an den glücklichen Menschen, die dort arbeiten und wohnen erfreuen. Unser herrliches Lahntal wird weiterhin unverbaut durch Bauklötze erstrahlen und die vielen Touristen, die sich am Campingplatz im Freibad und auf der Lahn mit ihren Booten und Schiffen bewegen, werden weiterhin ohne Einschränkungen sagen können: Hier ist die Welt noch in Ordnung, Natur pur erleben und werden Limburg langfristig immer wieder gerne besuchen und Geldeinnahmen bescheren.

Dem Investor Albert Egenolf wünschen wir für seine Ziele einen besseren Standort, wo er auch seine Ideen weiter verfolgen kann. Limburg war hier der absolut falsche Standort. Die Frankfurter Skyline, Hamburg oder Köln usw., da würde so eine Vision gut zu realisieren sein und passt zwischen Hochhäuser, Industrie und einer großzügigen breiten Landschaft.

Wir sagen Dank an:

die Stadtverordneten…

die Ortsbeiräte der Stadtteile von Limburg…

die Bürgerinitiative Limburg…

die BI Mitstreiter von “dobrindt-reiss-die-bruecke.ab”…

die vielen Bürger von Limburg, die uns stark unterstützt und motiviert haben…

die uns sehr kritisch teilweise auch frech tituliert haben, aber uns nicht schwächen konnten, uns dadurch gestärkt haben noch willensstärker aufzutreten…

den vielen HelferInnen bei den Informationsständen…

und zu guter Letzt den vielen Eschhöfer BürgerInnen für die tolle Unterstützung…

Danke

Abschließend können wir aus dieser großen erstmaligen Erfahrung nur eines an andere Gruppierungen weiter geben: Immer einen aufrechten Gang bewahren, egal wie der Wind von allen Seiten weht, nicht beirren lassen, wenn es um eine gute Sache geht, den Kopf hoch halten… das machen wir jetzt auch so und werden unseren Einsatz ein wenig “feiern”!

ob so oder so… Dobrindt du kannst die Brücke jetzt abreißen lassen… es ist beschlossen…!

Brief des Denkmalbeirat Limburg!

Wo bleibt der Sinn für das Schöne?

Der Denkmalbeirat der Stadt Limburg legt im Folgenden seinen Standpunkt zur geplanten Bebauung der alten Autobahnbrücke dar.

Um es vorweg zu sagen: Der Denkmalbeirat der Stadt Limburg spricht sich entschieden und einstimmig gegen eine geplante Bebauung der alten Autobahnbrücke aus. Dabei wird im Folgenden das Schwergewicht der Argumente auf architektonischen und ästhetischen Gedanken beruhen. Rechtsfragen, Verwaltungsfragen und allgemein technische Fragen seien hiervon ausgenommen.

Gerade Architekturprojekte von der Größe der geplanten Brückenbebauung müssen eine klare Aufwertung für die nähere und weitere Umgebung bringen – nicht zuletzt in ästhetischer Hinsicht. Dass dem hier nicht so ist, zeigen Fotomontagen, sowohl von Osten als auch von Westen her gesehen. Durch eine geplante Bebauung der Autobahnbrücke wird es nicht nur reale, sondern vor allem ästhetisch schwerwiegende und weitreichende Eingriffe, ja Störungen des näheren und weiteren Gesamtbildes, aber auch des Detailbildes von Limburg geben. Der Denkmalbeirat mahnt an, dass die geplante Brückenbebauung die Altstadt und ihre historischen Dimensionen nicht im Blick hat. Die Silhouette von Limburg mit seinem thronenden Dom einerseits und von Dietkirchen mit seiner nicht weniger dramatisch positionierten Lubentiuskirche andererseits wird nicht unerheblich negativ davon betroffen sein. Demolierung von Schönem nennt man solche Absichten.

Es kommt bei der geplanten Bebauung keine wirklich spannende Formensprache zum Tragen. Die Entwürfe zeigen, es handelt sich im Ganzen und auch im Detail um Formideen der 1950/1960er Jahre – wenig überzeugend nachgeahmt. Die vier Bauklötze sind etwas langweilig in additiver Reihung nebeneinander geschaltet. Von den architektonischen Qualitäten des nahen Doms ist die geplante Bebauung meilenweit entfernt. Wer will das, wer braucht das?

Die geplante Bebauung der alten Autobahnbrücke: Zugegeben, in Manchem eine nicht ganz schlechte Idee. Jedoch dürfen bauliche Vorhaben von dieser Tragweite nur mit einem Architekturwettbewerb angegangen werden. Ist auch die Idee als grundsätzlich nicht ganz schlecht zu bezeichnen, so ist Limburg aber der falsche Ort dafür. Limburg als kleinere historisch geprägte Stadt verträgt keine Großbebauung an dieser Stelle. Möchte man in Zukunft, von welcher Seite auch immer, Gigantomanisches und Modernistisches genießen, das alle Maßstäbe einer vorhandenen Stadtbebauung in formaler Hinsicht sprengt und von dem eine eher bedrohliche Wirkung ausgeht? Filigranes fehlt vollkommen. Es darf folglich bei solch angedachten Dimensionen eine subtile organische Einbindung in die Landschaft und das Grün des Lahntales nicht erwartet werden. Wo bleibt da die Aufwertung? Es ist darüber hinaus nur schwer vorstellbar, dass in Zukunft ein Konglomerat dreier Brücken auf Dauer in dichtem Abstand das Lahntal quert, zumal die Pfeiler der alten und neuen Autobahnbrücke gegeneinander versetzt angeordnet sind und somit den Eindruck einer überdimensionierten Barrikade vermitteln. Schöne Aussichten. Wer will das, wer braucht das? Dargestellt wird die „schöne Brückenbebauung” immer nur von Limburg aus. Man spaziere jedoch einmal, die letztgenannten Gesichtspunkte bedenkend, an der Lahn entlang und passiere von Eschhofen kommend die drei Brücken.

Visionen sind notwendig, Innovationen können anstoßen und Bewegung bringen, aber sie müssen auch kompatibel und verträglich sein, und von positiver Ausstrahlung. Außerdem: Pekuniäre und wirtschaftliche Interessen sollten nicht auf Kosten der Schönheit von Stadt und Land und damit auf Kosten der Allgemeinheit erfolgen. Ein nur mit technischen Fragen gespickter Katalog wird vom Betreiber formaliter abgearbeitet. Soll das ausreichen, den Bau positiv zu entscheiden? Ist nicht die Frage der allgemeinen Verträglichkeit und Ästhetik als aller erstes und wesentlich wichtigeres Moment zu bedenken? Das Machbare muss nicht immer gemacht werden.

Es ist, wie man sieht, aus der Sicht des Denkmalbeirates der Stadt Limburg unschwer zu begründen, warum die geplante Bebauung der Autobahnbrücke nicht kommen darf. Unterstützung erhalten diese Bemühungen zudem vom Preisgericht, das ehedem den Entwurf der neuen Autobahnbrücke beurteilte. Demnach wurde dieser Entwurf unter anderem ausgewählt wegen „…seiner schlanken Konstruktion”. Als wichtiges Auswahlkriterium wurde auch die Einbindung in das Landschaftsbild des Lahntals genannt, des Weiteren, dass dem „Stadtbild mit dem Dom die gestalterische Priorität belassen wird”. All das sind Kriterien, die auf die geplante Neubebauung der alten Autobahnbrücke wohl schwerlich zutreffen. Über diese gegensätzlichen Ansprüche müssen die Gremien der Stadt nachdenken.

Der Denkmalbeirat als Fachgremium wendet sich mit guten Gründen gegen die Neubebauung der alten Autobahnbrücke und plädiert für deren Abriss. Gerade das zeigt, der Beirat ist nicht an Modernismen, sondern an einer fundierten Weiterentwicklung der Stadt Limburg und des Lahntals interessiert – und an beider Zukunft, die sich positiv gestalten sollte. Das heißt in diesem Fall ohne eine Neubebauung der alten Autobahnbrücke.

Denkmalbeirat der Stadt Limburg, Dr. Gabriel Hefele, Vorsitzender

Weiterer Infostand:

brücke

Die beiden Initiativen gegen die Brückenbebauung der alten maroden A3 Autobahnbrücke aus Limburg und “Dobrindt reiss die Bruecke ab” aus Eschhofen, laden für Samstag, den 25.10.14 zu einem weiteren Infostand auf dem Europaplatz herzlich ein. Für Fragen rund um den geforderten Abriss stehen die Mitglieder der Initiativen zur Verfügung.